Inhalt
- Historischer Recap des Peaks of the Balkans Trails
- FAQ zum Peaks of the Balkans
- 4 Möglichkeiten, den Peaks of the Balkans Trail zu wandern
- Routenoptionen für den Peaks of the Balkans Trail
- Unsere 10-tägige Peaks of the Balkans Route
- Unsere Ausrüstung für den Peaks of the Balkans Trail
- Infrastruktur auf dem Peaks of the Balkans Trail
- Deine Packliste für den Peaks of the Balkans Trail
- Unsere Kosten für den Peaks of the Balkans Trail
- Unsere 5 essentiellen Tipps für den Peaks of the Balkans Trail
- Podcast Folge zum Thema
Wer im Frühsommer auf dem Peaks of the Balkans Trail unterwegs ist, wird schon nach den ersten Kilometern mit einer Landschaft belohnt, die wirkt, als hätte jemand Farbe über die Hänge verschüttet. Bunte Blumen wiegen sich im Wind: wilder Enzian in Blau, pinke Alpenrosen und gelber Hahnenfuß. Dazwischen Kühe mit schweren Glocken um den Hals, gemächlich grasend. Ein Ausblick wie aus einer alpinen Traumidylle.
Reisedaten Albanien
Reisezeit: Juni 2026
Reisedauer: 4 Wochen
Unterkunftsart: Berghütten & Apartments
Doch je höher der Pfad steigt, desto mehr verliert die Landschaft ihre Sanftheit. Schritt für Schritt über Stock und Stein Tausend Höhenmeter gen Himmel, zeigt sich oben meist ein anderes Bild: Die Wiesen weichen schroffem Kalkgestein, zerklüftet und scharfkantig. Wind pfeift über kahle Grate, wo selbst im Juni noch beachtliche Schneefelder liegen können. Die Farben kippen von saftigem Grün zu Steingrau. Der Himmel wirkt hier näher, kälter, unbarmherziger. Willkommen in den “Verfluchten Bergen” – wie der Gebirgszug der Albanischen Alpen redensartlich bezeichnet wird (Bjeshkët e Namuna).

Wir sind den Peaks of the Balkans Trail im Juni gewandert, woraus dieser vollumfängliche, kostenfreie Guide für dich entstanden ist. Hier bekommst du alle Informationen, die uns selbst in der Vorbereitung gefehlt haben: ungewöhnliche Routenvarianten, Etappenbeschreibungen mit Erfahrungsberichten, unsere Packliste (manches hat sich nicht gelohnt!) sowie unsere Gesamtkosten.
Historischer Recap des Peaks of the Balkans Trails
Der Peaks oft he Balkans Trail ist ein – für europäische Verhältnisse – bisher noch nicht überlaufener Fernwanderweg durch die Berge Albaniens, Kosovos und Montenegros. Der Trail nutzt alte Maultier- und Handelsrouten aus der Zeit des Osmanischen Reiches, die nach den politischen Veränderungen der Region im frühen 20. Jahrhundert größtenteils geschlossen wurden. Erst 2011/12 wurde er mit Unterstützung der deutschen Entwicklungszusammenarbeit (GIZ) als grenzüberschreitender Wanderweg wiederbelebt, um die einstige Konfliktregion durch Kooperation und sanften Tourismus zu fördern. Offiziell beträgt die Länge des Peaks of the Balkans Rundwanderweges 192 Kilometer. Zu den Routenoptionen kommen wir an späterer Stelle ausführlich zurück.

FAQ zum Peaks of the Balkans
Die beste Reisezeit für den Peaks of the Balkans Trail liegt zwischen Juni und September. Während der Hauptsaison im Juli und August die meisten Wandernden unterwegs und es kann sehr heiß werden. Daher sind die Randmonate Juni und September angenehmer.
Zu Beginn der Saison können in den höheren Lagen noch Altschnee und vereiste Passagen liegen, die einzelne Etappen erschweren oder sogar unpassierbar machen. Wir selbst waren Anfang Juni auf dem Peaks of the Balkans Trail unterwegs und hatten überwiegend perfektes Trekkingwetter, mussten aber auch eine anspruchsvolle Etappe mit Nebel, starkem Wind und großen Schneefeldern bewältigen. Welche Bedingungen dich erwarten, hängt stark von deiner Route und den jeweiligen Passhöhen ab.
Im Herbst sind die Bedingungen häufig bis Ende September ideal. Ab Ende September oder im Oktober kann jedoch der erste Schnee in den Hochlagen fallen und einzelne Pässe kurzfristig unpassierbar machen. Informiere dich deshalb vor jeder Etappe über die aktuellen Verhältnisse, z.B. in der PoB Facebook Gruppe.
Das kommt stark auf die Umsetzung an, aber prinzipiell ist der Peaks of the Balkans (noch!) absolut Low Budget geeignet. Folgende Kostenblöcke auf dich zu: Anreise, Übernachtungskosten in Bujtinas (Guesthouses) mit Verpflegung, optional: Guide oder Planungsservice. Unsere eigenen Kosten haben wir dir unten im Blogbeitrag detailliert aufgestellt. Nimm genügend Bargeld mit, da du nur in Theth und Plav die Möglichkeit, zum Abheben (mit Gebühren) hast. Euro wird überall, auch in Albanien, akzeptiert.
Offiziell, so schreiben viele Quellen, braucht es Permits für die unbewachten Grenzübergänge zwischen Albanien, Kosovo und Montenegro. Wir haben uns bemüht und die einzelnen E-Mail Adressen der Grenzpolizei, die im Internet kursieren, im Vorhinein angeschrieben, aber keine bzw. keine auffordernden Antworten erhalten. Alle Hosts der Unterkünfte sagten uns, dass es keine Permits braucht. Vor Ort haben wir nicht ansatzweise mitbekommen, dass es an einer Stelle Kontrollen gab. Die Grenzübergänge wirst du beim Wandern kaum wahrnehmen. Das ist ausschließlich unsere Erfahrung vor der Hauptsaison. Am besten kontaktiere vorher Locals, wie z.B. bereits gebuchte Unterkünfte.
Allein zu wandern ist sehr beliebt und überhaupt kein Problem, ob mit Zelt oder von Guesthouse zu Guesthouse. Wir haben viele Solo-Hiker von Jung bis Alt getroffen (vor allem Frauen). Alle waren begeistert und fühlten sich sicher. Zwischendurch trifft man immer mal andere Leute und kann einzelne Etappen gemeinsam absolvieren. Aber: Wenn du in der Randsaison allein unterwegs bist, statte dich lieber mit einem Satellitentelefon aus für den Fall, dass du in Not gerätst und niemand es mitbekommt.
Nicht flächendeckend. Internetempfang gibt es nur rund um etwas größere Ortschaften wie Theth, Valbona oder Plav in Montenegro. Die meisten Berghütten verfügen über WLAN. Eine albanische SIM-Karte von Vodafone können wir ausnahmsweise für diesen Zweck nicht empfehlen, da die Abdeckung nicht stark war. Besseren Empfang hatten wir mit einer eSim von Holafly*, welche für die gesamte Balkan Region gut funktioniert hat (5% Rabatt mit Code: GENERATIONWORLD).
Für diesen Fernwanderweg solltest du definitiv gute Wanderschuhe einpacken, am besten knöchelhoch und mit solidem Grip. Stabilität ist hier sehr wichtig, denn einige Abstiege sind ziemlich fiese Schotterpassagen. Bitte glaube nicht, dass auch Sneaker ausreichen. Wir können dir aus eigener Erfahrung die Trekking-Schuhe von Giesswein* empfehlen. Die sind, dank der Merino Wolle, absolut komfortabel, atmungsaktiv und bestens für Mehrtagestrekkings geeignet (20% Rabatt mit Code: WORLD20).
4 Möglichkeiten, den Peaks of the Balkans Trail zu wandern
Geführte Gruppentour
Geführte Gruppentouren sind die einfachste Variante, die du bei zahlreichen Anbietern findest. Allerdings sind diese sehr beliebt, hier gilt es sich in der Saison frühzeitig einen Platz in einer solchen Gruppe zu sichern. Dies ist nicht die günstigste Variante (ab 1.200€ p.P.), dafür wird dir alles abgenommen und du bist mit Essen, Unterkunft und Gesellschaft versorgt.
Freier Privat-Guide
Wenn du dich keiner größeren Gruppe anschließen willst oder den Peaks of the Balkans Trail bereits mit mehreren Personen planst, kannst du auch einen freien Bergführer vor Ort engagieren. Die Kosten für einen Guide in Albanien fangen bei 100€ pro Tag an.
Self-Guided Tour
Für alle, die Wert auf Selbstständigkeit, Flexibilität und ein eigenständiges Wandererlebnis legen, gibt es immer öfters die Möglichkeit einer Self-Guided Tour. Das bedeutet, dass dir von einem Dienstleister (z.B. Zbulo) die Organisation der Guesthouses, der Transporte etc. abgenommen wird, du aber den vorgefertigten, flexiblen Wanderplan selbst umsetzt. In diesem Rahmen ist es beispielsweise auch möglich, einen Gepäcktransport zu buchen, womit dir per Pferd dein schweres Gepäck von A nach B getragen wird – würden wir aus ethischen Gründen persönlich nicht machen.
Auf eigene Faust
Du kannst den Peaks of the Balkans easy vollständig auf eigene Faust unternehmen, sofern du etwas wandererfahren bist. Das haben wir gemacht. Dabei brauchst du dir normalerweise keine großen Sorgen wegen der Sicherheit zu machen und findest auch immer spontan Wegbegleiter, wenn du möchtest. Die Wege sind zwar einigermaßen ausgeschildert, dennoch solltest du auf jeden Fall Offline-Karten parat haben.


Routenoptionen für den Peaks of the Balkans Trail
Beim Peaks of the Balkans Trail handelt es sich um einen Rundwanderweg, den du von allen beteiligten Ländern aus starten kannst. Von Theth in Albanien, von Plav in Montenegro oder von Reka e Allagës im Kosovo.
Im klassischen Sinne umfasst der Fernwanderweg insgesamt 10 Tagesetappen. Du kannst dir aber auch deine ganz eigene Peaks of the Balkans Route zusammengestellen, an mehreren Stellen “abkürzen” oder nur bestimmte Etappen wandern. Aufgrund der Tatsache, dass im Kosovo zuletzt viele Wanderwege als breitere Schotter- und Wirtschaftswege ausgebaut wurden, skippen viele – so auch wir – die letzten beiden Kosovo-Stationen (Reka e Allagës & Kuqishtë).


Im Folgenden ein paar Inspirationen:
1 Tag
Theth → Valbona oder Plav → Babino Polje
3 Tage
Theth → Valbona → über Prosllopit Pass nach Vusanje → Theth
5 Tage
Theth → Valbona → Cerem → Plav (hier bleiben oder) → Vusanje → Theth
6-7 Tage
Theth → Valbona → Cerem → Doberdol → Babino Polje → Plav (hier bleiben oder) → Vusanje → Theth
8 Tage
siehe unsere Route
Unsere 10-tägige Peaks of the Balkans Route
Hier findest du unsere 10-tägige Route mit 8 Wander- und 2 Pausentagen in Karten- und Tabellenform. Die Angaben in der Tabelle basieren auf unseren persönlichen Werten und Erfahrungen.

Tag 1: Theth - Valbona
🥾 Dauer: 6:20h
📍 Länge: 18,4km
🏔️ Höhenmeter: 1.034m
🛏️ Unterkunft: Bujtina Arlindi Valbona auf Booking.com*
Die erste Etappe führte uns über den als Tageswanderung sehr populären Valbona Pass und war damit auch glücklicherweise die Einzige, die wir als wirklich voll empfunden haben. Der Weg geht etwas oberhalb von Theth mit konstanter Steigung größtenteils durch schattigen Wald bis hinauf auf den Valbona Pass, mit seinen kargen Felsen und beeindruckenden Ausblicken ein erstes Highlight.


Hinab ging es über die Winter-Route (die Sommer-Route war aufgrund von Schneefeldern noch nicht frei gegeben) deutlich steiler, lange über Schotter, aber auch über bunte Blumenwiesen. Hier passierte Hannah ein erster kleiner Sturz, der eine von zwei Trekkinghosen leicht anriss. Doch das sowie ein drohendes Gewitter konnten uns nicht aufhalten, unsere schöne Bujtina zu erreichen.
Tag 2: Valbona-Tal
🥾 Dauer: 2:00h
📍 Länge: 8km
🏔️ Höhenmeter: 200m
🛏️ Unterkunft: Bujtina Arlindi Valbona auf Booking.com*
Da wir uns noch unsicher waren, ob die Strecke über den Prosllopit Pass schneefrei war, haben wir im Valbona Tal direkt einen Ruhetag eingelegt. Ein bisschen bewegt haben wir uns natürlich trotzdem und einen kleinen Aufstieg zum Guesthouse Kukuj unternommen, um den hausgemachten Joghurt mit frischen Heidelbeeren zu genießen. Ansonsten findest du in Valbona bis auf ein bis zwei Kioske nicht viel. Es wird allerdings einiges gebaut und die familiären Bujtinas werden vermehrt durch Resorts abgelöst. Der Valbona Fluss war zu dieser Zeit in Valbona selbst nahezu ausgetrocknet.


Tag 3: Valbona - Cerem
🥾 Dauer: 04:33h
📍 Länge: 17,8km
🏔️ Höhenmeter: 575m
🛏️ Unterkunft: Guesthouse Afrimi Cerem (Reservierung per WhatsApp)
Wir wählten die entspannte Alternative durch das Valbona-Tal, da wir noch viele Pässe in Aussicht hatten. Es war also etwas Abwechslung angesagt, da der Weg uns am wunderschön eisig-blauen Valbona Fluss entlangführte. Dieser war im oberen Bereich quasi noch ausgetrocknet und wir hätten ihn mit all seinen Stromschnellen, kleinen Brücken und alten Bauwerken sonst gar nicht gesehen. Auch ein kurzer Abstecher zum James Lake, der sich märchenhaft in den Wald schmiegt, lohnt sich.


Der Nachteil dieser Route ist, dass du quasi die ganze Zeit auf der Hauptverkehrsstraße wanderst, anfangs asphaltiert bergab und die letzten 6 Kilometer dann (in der prallen Mittagshitze) über Schotter steil bergauf. In Cerem kannst du noch eine kleine Runde zum Wasserfall wandern, allerdings mit Kletterpartie.
Tag 4: Cerem - Doberdol
🥾 Dauer: 05:12h
📍 Länge: 16,2km
🏔️ Höhenmeter: 1.097m
🛏️ Unterkunft: Bilbil Vatnikaj (Reservierung per WhatsApp)
Mit opulentem Lunchpaket machten wir uns um 07:30 Uhr auf, um gleich mit einem 600 Höhenmeter Anstieg zu starten, bevor es für einen kurzen Abschnitt durch Montenegro ging – an dieser Stelle ist es möglich nach Plav abzukürzen für eine 5-Tages-Runde. Der angekündigte Regenschauer blieb uns verschont, während wir an einem urigen Bauernhof herrlich authentisches Landleben erfuhren.

Bis auf einem kurzen Schotterabschnitt zu Beginn, die vielleicht schönste Etappe bis hierhin mit wilden Blumenwiesen mit knallgelben Trollblumen. Und mit tierischer Begleitung: Ein verspielter Hund folgte uns tatsächlich den gesamten Weg von Cerem bis Doberdol. Die Bujtina Bilbil Vatnikaj ist die kleinste der drei Unterkünfte in Doberdol, aber dafür wirklich bilderbuchreif direkt an einem Wasserfall gelegen. Dahinter weiden Kühe und Pferde, dazu zeigt sich aufgrund der Höhe (~1.800m) eine ganz andere Vegetation. Das ganze Setting erinnerte uns sehr an unsere Zeit in Island.


Tag 5: Doberdol - Milishevc
🥾 Dauer: 8:01h
📍 Länge: 21,8km
🏔️ Höhenmeter: 1.183m
🛏️ Unterkunft: Chalet Rrusta (Reservierung per WhatsApp)
Nach einem heftigen Gewitter starteten wir morgens hinein in dichten Nebel. Der extrem steile Anstieg über Wiesen war zudem nicht ausgeschildert und wir steuerten schnell mehr oder weniger unfreiwillig auf den Tromeda Peak, den Dreiländergipfel zu, obwohl wir ohnehin nichts sehen würden. Es wurde kälter und windiger. Oben auf dem Bergkamm versperrten uns vereiste Schneefelder den Weg. Anfang Juni hatte damit so niemand gerechnet. Die steilen Abhänge links und rechts machten Hannahs Höhenangst zusätzlich zu schaffen und Panik setzte ein. Wirklich eine heikle Situation!


Mit der Hilfe von Mitwandernden schlugen wir Stufen in den Schnee, liehen uns Stöcke und schafften es immer wieder gefährliche Eisfelder zu überwinden. Auch wenn der ein oder andere Sturz dabei war, so endete er zum Glück immer unmittelbar und niemand machte den kompletten Abflug. Irgendwann gen Mittag klarte es ein wenig auf, aber wir schafften es trotzdem einen anderen Weg zu wählen und mussten gen Ende auch noch barfuß einen eiskalten Fluss durchqueren. Am Ende wurden wir nach einem 8-stündigen Kampf gastfreundlich mit Raki im Kosovo empfangen – froh überlebt zu haben. Das war der herausforderndste Tag des Peaks of the Balkans.

Tag 6: Milishevc - Babino Polje
🥾 Dauer: 04:55h
📍 Länge: 15,2km
🏔️ Höhenmeter: 666m
🛏️ Unterkunft: Ethno Katun Hako auf Booking.com*
Kontrastprogramm: Strahlender Sonnenschein. Als hätte es den gestrigen Horrortag nicht gegeben, als würden die verfluchten Berge über uns lachen. Es erwarte uns eine super entspannte und optisch abwechslungsreiche Etappe, die zur Abwechslung mal überhaupt kein Problem war. Und dass obwohl sie fast kaum jemand geht. Wir hatten uns nämlich entschieden, die zwei Kosovo-Etappen zu skippen und gleich nach Babino Polje in Montenegro zu wandern. Für uns eine gute Entscheidung!

Ständige fließende, kaum spürbare Grenzübergänge, dichte Nadelwälder, dann wieder bunt- blühende Blumenwiesen mit atemberaubendem Bergpanorama. Die vielleicht schönste Etappe auf dem Peaks of the Balkans Trail zeigte sich dann auch in wunderbaren Drohnenaufnahmen. Am Ende führt ein steiler Abstieg runter ins schattige Babino Polje, wo es dann erstmalig überraschend kalt war und wir deutlich mehr froren als 1.000 Meter höher in Doberdol.


Tag 7: Babino Polje - Plav
🥾 Dauer: 05:43h
📍 Länge: 21,1km
🏔️ Höhenmeter: 688m
🛏️ Unterkunft: Adagio Apartment auf Booking.com*
Mit dickem Sandwich im Gepäck machten wir uns früh auf nach Plav, einer Kleinstadt am See. Irgendwie wie ein heiliger Gral nach einer Woche. Denn hier gibt es Supermärkte! Doch zuerst stand ein unspektakulärer Aufstieg über matschige Forstwege zum Hridsko Lake an, dem idyllischen, wohl schönsten Bergsee Montenegros. Morgens war es noch herrlich leer, aber auch bitter kalt zum richtigen Baden. Zudem war Farbe und Zustand des Sees leicht getrübt von Algen.

Es folgen noch ein paar knackige Aufstiege, bevor ein steiler Abstieg kommt, der mehr und mehr abflacht. Aber alles in allem eine vergleichsweise einfache Etappe.
Auf der zweiten Hälfte haben wir einen heißen Pausentipp: Das Cottage Gavazovic. Erkennbar durch: viele Länderflaggen, 90er und 2000er Musik, Oma mit Kindern am freundlichen Anwerben. Wir trinken Cola Zero und hausgemachten Blueberry Juice, bekommen gratis einen Teller voll Kirschen, nur die „Toilette“ war die ekelhafteste, die ich im Leben gesehen habe. Gestärkt erreichten wir schnell die herrliche Aussicht auf Plav und den See. Als wir im Ort ankamen, merkten wir allerdings schnell: Das Paradies hatte geschlossen. Es war Sonntag.

Tag 8: Plav
Gut, dass wir hier sowieso einen Ruhetag eingeplant hatten. Plavsko Jezero, eine Kleinstadt in Montenegro, direkt am gleichnamigen großen See, versprühte einen ganz eigenen Charme. Gleichzeitig ist Plav mit Abstand der größte Ort auf dem gesamten Peaks of the Balkans Trail. Unser Ruhetag begann mit Rufen der Muezzins aus den zahlreichen Moscheen. Der muslimische Einfluss war spürbar, nicht in jedem Lokal wurde Alkohol ausgeschenkt (aber Kaffee für 1€), dafür waren Wasserpfeifen hier sehr präsent und wir sahen vornehmlich Männer auf den Straßen.
Vor allem die großen Supermärkte mit einer grandiosen Auswahl an gesunden Energie- und Proteinriegel holten uns ab. Ungewöhnlicherweise für diese Wanderung kochten wir sogar selbst und genossen den Luxus eines eigenen kleinen Apartments.

Der Ruhetag war wichtig, nicht nur zur einfachen Regeneration, sondern auch zum Ankommen. Zum Ausbrechen aus der Hast des Immer-Weiters, der man gerade auf einem Fernwanderweg nur schwer entkommt. Am großen Steg planschten wir im minimal wärmeren Wasser, die Angebote ein Kanu- oder Tretboot zu leihen, waren Anfang Juni noch geschlossen. Wir genossen die idyllische Natur, das Biotop aus Schilf und Seerosen. Wir hatten ursprünglich auch mal überlegt, unsere längere Balkan-Reise von hier aus durch Montenegro fortzusetzen. Das ist auf jeden Fall auch eine tolle Möglichkeit!
Tag 9: Plav - Vusanje
🥾 Dauer: 6:13h
📍 Länge: 21,3km
🏔️ Höhenmeter: 1.288m
🛏️ Unterkunft: Nature Guesthouse Vuthaj (Reservierung per WhatsApp)
Der motivierte Re-Start bei angenehm frischem Morgennebel führte uns über Forstwege bis wir das erste Mal einen Eintritt (3€ p.P.) zahlen mussten. Denn wir durchquerten den Prokletije Nationalpark in Montenegro. Das hat jedoch nichts mit den Grenzpermits zu tun. Nach dem vielleicht senkrecht steilsten Abschnitt hoch auf den Maja E Borit offenbart sich ein spektakulärer Ausblick zurück bis auf den Plav See, von dem wir kamen.

Auch im Folgenden bieten sich tolle Bergkämme und Gratwanderungen, allerdings getrübt durch einen neuen Nervfaktor: Irgendwie war heute alles voller Fliegen und Mücken. Zudem brodelte es am Himmel bedenklich, aber wir hatten Glück. Auf dem Abstieg trafen wir auf komplett wahnsinnige Mountainbike-Fahrer, von denen prompt einer in ein ausgetrocknetes Flussbett stürzte, um anschließend lachend, aber sichtbar ernsthaft verletzt, weiter bergab zu rollen. Uns fiel diese lange Etappe des Peaks of the Balkans überraschend leicht, und so waren wir schneller als erwartet im Nature Guesthouse Vuthaj, wo wir von Peter und seiner Tochter Agnieszka auf Deutsch empfangen wurden.
Tag 10: Vusanje - Theth
🥾 Dauer: 06:41h
📍 Länge: 20,0km
🏔️ Höhenmeter: 1.015m
🛏️ Unterkunft: Bujtina Kometa auf Booking.com*
Der letzte Tag unseres Peaks of the Balkans Trail (was ein Gefühl!) begann gleich mit wirklich außergewöhnlichen Stopps: Den Grlja Wasserfall und das Blue Eye Oko Skakavice. In letzterem kannst du herrlich baden und es ist viel natürlicher als die touristischen Pendants in Albanien. Wenn noch Zeit ist, am besten schon am Vortag hierhin, dann hast du nicht noch diese letzte lange Etappe im Hinterkopf.

Nach einem weiteren Mal Eintritt in den Prokletije Nationalpark kämpften wir uns einen moderaten Anstieg hoch, der eine Landschaft offenbarte, irgendwo zwischen Patagonien und den Dolomiten. Das Ropojana Valley gibt nochmal ein ganz anders Bild des Peaks of the Balkans Trail ab, mit hohen Felswänden links und rechts.
Als Höhepunkt bzw. anstrengender Schlusspunkt zeigt sich dann der steilste Abstieg überhaupt: Fast 1.300 Höhenmeter runter auf 3 Kilometern über schottrige Serpentinen. Und auch hier ist Vorsicht angesagt: Vor uns stürzt ein mittelalter Herr mehrere Meter den Abhang herab. Platzwunde am Kopf und an den Beinen. Zum Glück war direkt Hilfe da. Mit zittrigen Beinen erreichten wir irgendwann die Bujtina Kometa nach 10 Tagen wieder. Unser Gepäck! Endlich raus aus den stinkenden Sachen. Wir haben den Peaks of the Balkans geschafft!
Unsere Ausrüstung für den Peaks of the Balkans Trail
Unser neuer Rucksack-Liebling
Auf dem Peaks of the Balkans Trail wurden wir mehrfach auf unseren Rucksack angesprochen.

Wir waren hier erstmals mit dem Raja 46 unterwegs – groß genug für Fernwanderwege und Trekkingtouren, gleichzeitig handgepäcktauglich für viele Airlines. Besonders begeistert uns die Mission dahinter: Die Produkte und die austauschbaren Front-Cover werden auf ethisch faire Weise von Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerkern in Ländern wie Indien, Vietnam, Guatemala oder Ghana handgefertigt. Unser Cover, das du hier siehst, wurde in Indien gewebt.
Ethnotek verbindet hochwertige Reiseausrüstung mit traditioneller Handwerkskunst und fairer Wertschöpfung vor Ort. Ein Ansatz, der perfekt zu unseren Reisewerten passt.
Mit dem Code GENERATIONWORLD spart ihr 15 % auf das gesamte Sortiment. Neben dem Raja 46 gibt es auch kleinere Rucksäcke, Bauchtaschen und Geldbörsen. Tipp: Für eine lange Wanderung ist der zusätzliche Hüftgurt unbedingt nötig!
Unser Dauerbrenner
Gute Wanderschuhe sind nach A und O. Wir vertrauen seit einiger Zeit dem österreichischen Schuhhersteller Giesswein. Sowohl die Trailrunning- als auch die Wanderschuhe eignen sich ideal für herausforderndes Terrain. Dank der hochwertigen Merino-Wolle sind die Produkte mega komfortabel und atmungsaktiv. Blasen, Druckstellen und Fußschmerzen bleiben also Zuhause.

Wenn du mit deinem Schuhwerk für den Peaks of the Balkans noch haderst, schnapp dir also noch ein Paar Giessweins. Und das schlappe 20% günstiger mit dem Code WORLD20.
Infrastruktur auf dem Peaks of the Balkans Trail
Auf dem gesamten Peaks of the Balkans Fernwanderweg kommst du erst in Plav am See in Montenegro wieder in eine größere Ortschaft mit Supermärkten. Hotels suchst du nach dem Valbona Tal ebenso vergeblich. Übernachtet und gegessen wird hier in familiengeführten Guesthouses, sogenannten Bujtinas. Oft handelt es sich um kleine Höfe mit Tier- und Landwirtschaft zur Selbstversorgung. Die Ausstattung ist meist simpel, aber gemütlich.
Letztendlich ist es schwer davon abhängig, ob du in Gruppenschlafsälen landest oder das Glück hast, wenn du zu zweit oder zu dritt unterwegs bist, ein eigenes Zimmer zu bekommen. Daher möchten wir dir hier unsere Erfahrung als Paar teilen.

🍴 Kulinarische Versorgung: Frühstück und Abendessen ist quasi immer in den Übernachtungskosten enthalten. Es gibt keine Speisekarten. Alle Gäste erhalten dasselbe. Hinsichtlich der Portionsgröße haben wir von opulent bis knapp bemessen alles erlebt. Neben gemischten Salat mit Gurke, Tomate und hausgemachtem Weichkäse gibt es immer (selbstgemachtes) Weißbrot, oft Reis mit gebratenem Gemüse, Aubergine, Paprika, (Kartoffel)-Suppe, Byrek jeglicher Art.
Vegetarier/Veganer haben keine Probleme, wobei die gezielte Nährstoffversorgung mit pflanzlichen Proteinquellen selbstständig sichergestellt werden muss. Für den Wandertag hast du immer die Möglichkeit, zusätzlich ein Lunch Paket zu kaufen. Am Abend gibt es manchmal noch selbstgebrannten Raki vom Cousin 😉
🚿 Warme Duschen: Good news – gab es bei uns immer! Allerdings sind die Kabinen oftmals sehr rar gesäht, weshalb mit langen Wartezeiten zu rechnen ist. Außer in Doberdol wurden uns sogar immer Handtücher zur Verfügung gestellt.
🥾 Wegbeschaffenheit: Im Gegensatz zu vielen Wanderwegen in den Alpen ist der Peaks of the Balkans Trail ziemlich naturbelassen. Es gibt keinerlei Hilfsmittel wie Leitern, Klettersteige, Seile oder gar Gondeln.
⛲ Wasserversorgung: In den Gasthäusern gibt es abgepacktes Trinkwasser in Flaschen zu kaufen, was den Geldbeutel aber sehr belastet und kaum für einen Tag ausreichen wird. An den meisten Orten ist das Leitungswasser allerdings unbedenklich und von höchster Qualität. Auf den Wegen gibt es häufig Frischwasserquellen und Brunnen. Wir haben gehört, dass diese im Hochsommer ausgetrocknet sein können. Gelegentlich haben wir auch unsere Flaschen in Flüssen aufgefüllt. Verwende sicherheitshalber Filterflasche oder Wassertabletten.

Deine Packliste für den Peaks of the Balkans Trail
Wenn du den Peaks of the Balkans in eine längere Reise durch Albanien oder Montenegro einbettest, musst du dich nicht zwingend auf einen leichten Handgepäcksrucksack beschränken. Wir haben unser Hauptgepäck in der Bujtina Kometa in Theth* zurückgelassen und nur das eingepackt, was wir für 12 Tage Wandern brauchten, da wir an denselben Ort am Ende zurückgekehrt sind. Das war problemlos und ohne Aufpreis möglich. Einige Dinge haben wir unnötigerweise mitgeschleppt. Daher hier unsere optimierte Packliste für dich:
✅Dünne Wind-Regen-Jacke
✅2 Trekkinghosen
✅2 T-Shirts
✅1 Langarmshirt
✅Trekkingschuhe (z.B. von Giesswein*)
✅Flipflops (zum Duschen)
✅Loop-Schal
✅Schlafanzug
✅2 Sport-BHs
✅Unterwäsche und Socken
✅Dünner Schlafsack (optional, wir haben ihn nicht verwendet)
✅Sonnencreme
✅Sonnenbrille
✅Handwaschmittel, z.B. Rei (wichtig!)
✅Kleine Schuhbürste
✅Föhn (auch zum Wäsche nachtrocknen)
✅Wanderstöcke
✅Filterflasche oder Wassertabletten
✅Duschzeug
✅Handseife
✅Handtuch (nur 1x gebraucht, da meist vorhanden)
✅Zahnbürste und Zahnpasta
✅Lippen- und Handpflege
✅Medikamente & Pflaster
✅Kopf-/Taschenlampe
✅Powerbanks
✅Kamera
✅Snacks deiner Wahl (z.B. Protein-/Oatriegel, Nüsse, Obst)

Unsere Kosten für den Peaks of the Balkans Trail
Wir sind den Peaks of the Balkans komplett auf eigene Faust gewandert und haben in Guesthouses übernachtet. Noch günstiger geht es nur, wenn du campst, was wir vereinzelt auch gesehen haben. Höhe Gebühren für Eintritte oder Permits gibt es bis dato kaum, aber der Preis pro Übernachtung mit Abendessen und Frühstück steigt und steigt.
Im Juni 2026 können wir im Schnitt von 35€ p.P. berichten. Je nach Lage auch mehr. Wir haben uns selbst gut mit Proviant (Riegel, Nüsse) versorgt, abends auch mal das ein oder andere Bierchen getrunken und es uns in Valbona und Plav gutgehen lassen.
🏠 Unterkünfte & Verpflegung: 656€
🍎 Lebensmittel: 159,94€
🚌 Transport von/nach Shkodra: 54€
🌳 Nationalpark Eintritte (Montenegro): 12€
Gesamtkosten für 2 Personen:
881,94€
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P.S. Wir trinken gerne Wein beim Schreiben 😉
Unsere 5 essentiellen Tipps für den Peaks of the Balkans Trail
🗺️ Beste Offline Karten App
Lade dir die Peaks of the Balkans App herunter. Dafür musst du dich nicht registrieren (wie bei Komoot oder AllTrails) und die Nutzung ist komplett kostenlos. Dort sind alle Routenoptionen sowie ein paar Unterkünfte und Einkehrmöglichkeiten hinterlegt. Lediglich die Genauigkeit des GPS-Trackings lässt zu wünschen übrig, insbesondere beim Höhenprofil.
💶 Bargeld mitführen
Auf Basis deiner gewünschten Wanderdauer solltest du vorab kalkulieren, wie viel Geld du benötigst, denn die Bujtinas kannst du logischerweise nicht mit Karte zahlen. Erst in Plav hast du die Möglichkeit, an einem ATM für Nachschub zu sorgen. Unsere Empfehlung: Nimm ausreichend Euro mit, um das Hantieren mit zwei verschiedenen Währungen (Euro und Albanische Lek) zu vermeiden. Euro wird überall akzeptiert, meist sogar zu einem bessern Kurs.
🧘🏼♂️ Ruhetage einlegen
Sofern du keinen Zeitdruck hast, können wir dir nur empfehlen, an einem Ort auf dem Peaks of the Balkans Trail auch einmal zu verweilen. Die körperliche Belastung kann schon an die Substanz gehen und es gibt auch abseits der Pfade schöne Orte in der Natur zu erkunden, für die dir sonst die Zeit fehlt.

📅 Unterkünfte reservieren
Ursprünglich hatten wir geplant, uns bezüglich der Übernachtungen in den Berghütten ganz spontan zu entscheiden. Eine Woche vor Reiseantritt stellen wir jedoch fest, dass einige unserer Favoriten bereits jetzt keine Betten mehr frei haben. Der Peaks of the Balkans Trail erfreut sich zunehmender Beliebtheit, und gerade in der Hauptsaison, sind die wenigen Hütten in den abgelegenen Orten wie Doberdol oder Milishevc entsprechend schnell voll. Daher haben wir vorab doch überall Kontakt aufgenommen und eine Reservierung vorgenommen. Sollten sich deine Pläne ändern, kannst du trotzdem jederzeit absagen. Die meisten Unterkünfte haben eine WhatsApp-Nummer.
🥾 Wanderstöcke mitnehmen
Seit jeher sträuben wir uns vor dem Einsatz von Wanderstöcken, da sie uns üblicherweise mehr behindern als nutzen. Auf dem Peaks of the Balkans Fernwanderweg würden wir dir (und uns selbst) aber raten, zumindest für den “Notfall” welche dabei zu haben, denn solch steile, geröllige Abstiege sind uns bisher selten untergekommen. Zudem können sie bei Schnee- und Eisfeldern im Zweifel Leben retten.
Podcast Folge zum Thema
In dieser besonderen Podcast-Folge berichten wir semi-live vom Peaks of the Balkans. Im Hintergrund hörst du die Original-Soundkulisse des Plav See in Montenegro, wo wir gerade die Füße vom Steg baumeln lassen und auf die vergangenen Wandertage zurückblicken: Spannende Geschichten vom Auf und Ab unseres Gemütszustands, unsere ehrlichen Eindrücke und Herausforderungen, die Frage, wo nachhaltiger Tourismus aufhört, und alles, was hier im Guide keinen Platz findet – quasi unser auditiver Herrlich!-Ehrlich?-Abschnitt.
Wie hat dir unser Guide zum Peaks of the Balkans Trail gefallen? Gib uns doch hier unten Feedback oder stelle eine Frage.

Henrik
Hi, ich bin Henrik - Mitbegründer von Generation World. Als Autor, Drohnenpilot und Videograf arbeite ich gemeinsam mit Hannah leidenschaftlich bei der Umsetzung unseres gemeinsamen Herzensprojektes.
Wie auf unseren Reisen, gibt es keinen Berg, der nicht zu erklimmen und keinen Weg, der zu weit ist. Kommst du mit uns?




