Flug verpasst wegen Sicherheitskontrolle

Flug verpasst wegen Sicherheitskontrolle: Meine Erfahrung und Tipps

Flug verpasst wegen Sicherheitskontrolle? Willkommen im Club! Mir ist es auch passiert. Unkontrollierbares Chaos an der Sicherheitskontrolle führt bei etlichen Urlaubsfreudigen und Reiselustigen zu verpassten Flügen und unendlich viel Frust. Aber was tun, wenn ich meinen Flug wegen der Sicherheitskontrolle verpasse? In diesem Beitrag teile ich meine Erfahrungen und meine Tipps mit dir!

Update und Happy End: Rund zwei Monate nach dem verpassten Flug habe ich mein Geld vom Bund zurückerstattet bekommen! Mein Kampf hat sich also gelohnt. Wie das funktioniert, erfährst du in diesem Beitrag.

Kleiner Hinweis: Meine Erfahrungen beziehen sich auf den Flughafen Köln-Bonn und die dort für die Sicherheitskontrolle verantwortliche Bundespolizei Sankt-Augustin. Viele meiner Schilderungen dürften allgemeingültig sein, andere wiederum können natürlich von Flughafen zu Flughafen leicht abweichen.

Kleiner Spoiler: Du hast eine gute Chance, dein Geld zurückbekommen! Wenn du die hier genannten Ratschläge befolgst UND Geduld mitbringst.

Reisen nach der Corona Pandemie? Zwischen Reiselust & Reisefrust

Wer nach über zwei Jahren Pandemie und stark eingeschränkter Reisefreiheit auf die Idee kommt, der Heimat für ein paar Tage den Rücken zu kehren, sich in den wohlverdienten und hart ersparten Urlaub zu begeben, ohne sich Sorgen über die Schließung von Grenzen oder spontan verhängten Lockdowns zu machen, wird in diesen Zeiten mit voller Wucht auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Reisen scheint nur noch etwas für die nervlich Hartgesottensten zu sein: Überfüllte Schalter, kilometerlange Schlangen vor der Sicherheitskontrolle, überfordertes Personal, annullierte Flüge, verpasste Flüge, höhere Flugpreise, Frust, Verzweiflung, Ärger. Und im schlimmsten Fall: Kein Urlaub!

Flug verpasst wegen Sicherheitskontrolle: Wie kann das passieren?

Eigentlich ist die Erklärung ganz einfach: Stark reduziertes Personal trifft auf stark gestiegenes Passagieraufkommen. Nicht nur die Airlines haben während der Corona-Pandemie mit Stellenstreichungen auf die kaum vorhandene Nachfrage reagiert, sondern auch die in der Regel für die Luftsicherheitskontrolle verantwortlichen Bundespolizeidirektionen. Dazu kommt, dass diese das Operative vor Ort zumeist an private Sicherheitsfirmen auslagern und der direkte Einfluss somit schwindet. Es wurde Geld an Personal gespart an allen Ecken und Enden. Personal, das jetzt extrem fehlt. Dazu kamen die Sommerferien, die Familien erstmals seit Beginn der Pandemie für Flugreisen nutzen wollten. So kam es, dass an jenem Tag im Juli 2022 am Flughafen Köln-Bonn nur 50% der eigentlich vorhandenen Spuren an der Sicherheitskontrolle geöffnet waren und Wartezeiten bis zu 14 Stunden berechnet wurden. Mehrere hundert Betroffene haben an diesem Tag wohl Folgendes gegooglet: Flug verpasst wegen Sicherheitskontrolle.

Flug verpasst wegen Sicherheitskontrolle. Was tun?
Was tun, wenn der Flieger ohne einen abhebt?

Flug verpasst wegen Sicherheitskontrolle: So lief es bei mir

Juli 2022. Mit Zuversicht im Handgepäck verabschiedete ich mich am frühen Abend von Henrik vorm Eingang des Flughafen Köln-Bonn. Schnell noch ein Selfie von uns beiden für unseren Instagram-Kanal. Porto is calling! – dachte ich. Fünf Tage arbeiten und schreiben in anderer Umgebung, meine berufliche Freiheit nutzen und eine europäische Stadt sehen, die schon lange auf meiner Liste steht. Nach 6 Jahren endlich wieder nach Portugal! All diese Gedanken sollten in wenigen Stunden real werden. Dass in den anliegenden Bundesländern Rheinland-Pfalz und Hessen am Tag zuvor die Sommerferien begonnen hatten, bekam ich beiläufig mit. So ein Flughafenchaos wie zu Beginn der Sommerferien in Nordrhein-Westfalen würde bestimmt nicht nochmal vorkommen – dachte ich.

Zweieinhalb Stunden vor Abflug. Ich begab mich auf direktem Wege zur Sicherheitskontrolle, denn eingecheckt hatte ich bereits online am Vorabend und Aufgabegepäck besaß ich keines. Früher als es mir die Ryanair-App empfahl, perfektes Timing nach Angaben des Flughafens. Am Eingang der Sicherheitskontrolle nahm ich laute Auseinandersetzungen wahr, mehrere Polizeibeamte zeigten Präsenz, behelfsmäßig angebrachte, rot-weiße Absperrbänder waren bis auf den Boden herabgetreten. Ich war verwirrt und wusste die Situation noch nicht einzuordnen. In diesem Moment dominierten noch immer die Ruhe und die Zuversicht meinen Verstand. Besonnen suchte ich den Anfang – oder das Ende – der Schlange zur Sicherheitskontrolle. Ich hatte ja genug Zeit. Vorbei an quengelnden Kindern, verzweifelten Eltern, Menschen mit tiefen Augenringen, besorgniserregender Miene und Handy am Ohr. Allmählich realisierte ich mit jedem weiteren Schritt: Ich werde nicht in ein paar Stunden in Porto sein.

Nach fast vier Minuten des zügigen Gehens erreichte ich den Ausgang des Flughafengebäudes und den Beginn des nächsten Terminals. Und die Schlange führte bis durch die Türe. Nein! Verdammt! Was zur Hölle? Schnurstracks machte ich mich auf den Weg zum Ryanair Schalter, um zu hören, dass ich heute Abend sicher nicht mehr den Flughafen mit einem Flugzeug verlassen werde, aber kostenlos umbuchen könne. Während ich der zähen, stillstehenden Schlange zumindest eine Chance gab, wehte mein Verstand dann doch rasch die weiße Fahne: Der einzige Flug nach Porto am nächsten Tag war in diesem Moment online ausgebucht! Mein Hostel war ebenso wenig bereit, mir wenige Stunden vor Ankunft mit einer Erstattung entgegen zu kommen.

Hinter mir erzählte mir eine junge Frau in meinem Alter, dass sie bereits seit 8 Stunden in der Schlange stünde. Vor mir ein Mann mit gebrochenem Deutsch, dass sein Flug gestern annulliert wurde, nachdem er bereits einmal durch die Sicherheitskontrolle gekommen war. Etwas weiter eine Familie mit zwei Kindern, die am Rande der Verzweiflung stand. Ich traute mich gar nicht, meine verhältnismäßige Lappalie kundzutun.

20:45 Uhr. Laut digitaler Informationen war das Boarding für meinen Flug abgeschlossen. Wie viele Menschen tatsächlich an Bord waren? Keine Ahnung. Vielleicht die Hälfte, vielleicht ein Drittel, vielleicht vier Passagiere. Ich jedenfalls nicht. Ich gab auf. Das war’s!

Am nächsten Tag las ich eine Pressemeldung, die besagte, die Wartezeiten vor der Sicherheitskontrolle hätten realistische 12 bis 14 Stunden betragen, wodurch über tausend Passagiere ihren gebuchten Flug nicht antreten konnten. Daraufhin eine sanfte Entschuldigung des Flughafenbetreibers mit der Aussicht, man würde die Flugpläne überdenken. Ein Hauch von Vorwürfen schwang dennoch mit: Das viel zu frühe Eintreffen vieler Passagiere, hätte dazu geführt, dass die Situation derart eskaliert sei. Das hilft den Betroffenen jedoch wenig bis gar nicht. 

Doch wer trägt für dieses Desaster die Verantwortung? Was kann ich als Betroffener tun?

Hannah und Henrik Profilfoto

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Flug verpasst wegen Sicherheitskontrolle: Wer ist Schuld?

Während Flugannullierungen und unverhältnismäßig lange Wartezeiten am Check-In-Schalter sowie an der Gepäckaufgabe in der Verantwortung der jeweiligen Airline liegen, obliegt die Sicherheitskontrolle tatsächlich der Bundespolizei, ergo dem Bund. Die regional verantwortlichen Bundespolizeidirektionen haben die Arbeit der Sicherheitskontrolle der Flughäfen heutzutage meist an private Sicherheitsfirmen ausgelagert, was sie von der Haftung im Grunde genommen jedoch nicht befreit.

 

Flug wurde von der Airline annuliert?

Egal ob du deinen Flug bekommen oder ihn wegen zu langen Wartezeiten an der Sicherheitskontrolle verpasst hättest, wenn die Airline deinen gebuchten Flug annulliert, ist diese auch dein Ansprechpartner. Hört sich zwar blöd an, aber damit hast du wirklich Glück im Unglück, denn eine Erstattung bei der Airline zu beantragen ist mittlerweile ein Leichtes, da es diesen Fall bereits etliche Male gab und der Prozess stark vereinfacht wurde: Einfach auf der Website der Airline Erstattung beantragen.

Flug verpasst wegen Sicherheitskontrolle?

Verdammter Mist! Wenn dein gebuchter Flug ohne dich startet, weil du es wegen unverhältnismäßig langer Wartezeiten nicht rechtzeitig durch die Sicherheitskontrolle geschafft hast, trägt im Grunde genommen die Bundespolizei die Verantwortung. Die Airline ist in diesem Fall aus der Nummer raus. Da es diesen Fall bisher in diesem Ausmaß nicht wirklich gab, ist der Weg der Entschädigung wesentlich mühseliger und komplexer. Schließlich steht dir jetzt der Bund gegenüber. 

Flug verpasst wegen Sicherheitskontrolle - Frankfurt
An allen großen Flughäfen Deutschlands kam es im Sommer 2022 zu Chaos an den Sicherheitskontrollen

Flug verpasst wegen Sicherheitskontrolle: Was tun?

Die gute Nachricht vorab: Wer seinen Flug aufgrund nicht funktionierender oder unverhältnismäßig langsamer Sicherheitskontrollen verpasst, hat einen Anspruch auf Schadensersatz gegenüber dem Bund. Dafür ebnete ein Urteil am Oberlandesgericht Frankfurt am Main Anfang des Jahres den Weg. Voraussetzung dafür sind ausreichende Belege über das rechtzeitige Eintreffen am Flughafen sowie über die entstandenen Kosten. Dafür sollten die tagesaktuellen Empfehlungen der Airline und des Flughafens unbedingt beachtet werden. In meinem Fall gab sowohl die Airline als auch der Flughafen Köln-Bonn eine empfohlene Ankunftszeit von zwei bis zweieinhalb Stunden vor Abflug an – sofern man noch Aufgabegepäck abgeben muss. Ich persönlich war zweieinhalb Stunden vor Abflug vor Ort, ohne Aufgabegepäck.

Die weniger gute Nachricht: Der Prozess ist äußerst langwierig und die Bundespolizei wird zunächst einmal jegliche Schuld von sich weisen. Während es bei Flugannullierungen nach etlichen Präzedenzfällen bei den Airlines mittlerweile ein Leichtes ist, eine Erstattung online zu beantragen, gestaltet sich es in diesem quasi neuartigen Fall bereits als kompliziert, eine richtige Kontaktadresse ausfindig zu machen. Per Online-Formular Entschädigung beantragen? Beim Bund nicht. Zumindest noch nicht. Die Antwort auf meine sehr ausführliche E-Mail an die Bundespolizeidirektion in Sankt Augustin (bpold.sanktaugustin@polizei.bund.de), die für die Sicherheitskontrollen am Flughafen Köln-Bonn zuständig ist, samt angehängten Pressemeldungen, dem Zeitstempel auf dem Selfie bei Ankunft (welches ich zum großen Glück unwissentlich gemacht hatte), ausgebuchten Alternativflügen und Buchungsbelegen, fiel mehr als ernüchternd aus. Sinngemäß könne die Bundespolizei nichts dafür, da genaue Sicherheitskontrollen am Flughafen essentiell seien und andere Parteien mindestens genau so viel Schuld träfe. Folgende Nachweise seien zusätzlich zu erbringen:

Die beste Möglichkeit, sein Recht als Fluggast geltend zu machen: Anwaltliche Hilfe. So offensichtlich es selbst für die Bundespolizei erscheinen mag und so irrsinnig die Situation ist – man hätte ja nicht ahnen können, dass Menschen im Sommer 2022 wieder reisen möchten –, der Druck einer anwaltlichen Forderung auf Schadensersatz bietet die besten Aussichten, die Kosten und Folgekosten eines verpassten Fluges aufgrund von chaotischen Sicherheitskontrollen erstattet zu bekommen. Eine Rechtsschutzversicherung ist dabei Gold wert, denn andererseits übersteigen die Anwaltskosten sehr schnell den Wert der Reisekosten.

Das zurückerstattete Geld rettet zwar den wohlverdienten Urlaub nicht unmittelbar, aber immerhin hilft es, ein klein wenig über den Ärger hinwegzukommen und den Geldbeutel eines Normalverdieners in diesen Zeiten nicht noch mehr unnötig zu belasten.

Hannah und Henrik am Strand in Varadero
Was die Lage an den Flughafen angeht, war Reisen während Corona auf jeden Fall entspannter. Hoffentlich kommst du bald in deinen wohlverdienten Urlaub!

Die Flug-Verpasst-Wegen-Sicherheitskontrolle-Checkliste:

  1. Prüfe am Abreisetag die empfohlene Ankunftszeit am Flughafen von deiner Airline und überbiete diese Zeit ein bisschen.
  2. Mache unmittelbar nach deiner Ankunft am Flughafen ein Selfie (am besten mit Uhr im Hintergrund).
  3. Stelle dich für eine Zeit in die Schlange und schaue, ob es eine realistische Chance gibt, deinen Flug zu erreichen.
  4. Falls nicht, mache das Sicherheitspersonal darauf aufmerksam, dass das Boarding deines Flugs bald schließt und mache im besten Fall eine Tonaufnahme von der abweisenden Antwort.
  5. Filme die Situation vor Ort und mache ausreichend Fotos.
  6. Bewahre dir am besten deine Bordkarte gut auf. Sie kann als Beleg dafür dienen, dass du eingecheckt warst. Wenn du online eingecheckt hast, mache einen Screenshot.
  7. Bleibe bis Ende der Boardingzeit am Flughafen.
  8. Es ist tatsächlich passiert: Flug verpasst wegen Sicherheitskontrolle! Sende alle Nachweise (Ankunft am Flughafen, Wartezeit an der Sicherheitskontrolle, Bordkarte, Buchungsbelege, Nachweis der Airline über Nichtantreten des Fluges) und Buchungsbelege mit angegebenen Kosten mit Forderung auf Erstattung an die zuständige Bundespolizeidirektion.
  9. Sollte die Antwort nach über zwei Wochen ausbleiben oder für dich negativ ausfallen, wende dich umgehend an deine Rechtsschutzversicherung oder direkt an den Anwalt deines Vertrauens.

In diesem Sinne: Gute Reise, viel Glück und starke Nerven!

Hast du deinen Flug verpasst wegen Sicherheitskontrolle? Schreibe gerne deine Erfahrungen hier unten in die Kommentare oder stelle eine Frage.

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Hey, ich bin Hannah - Gründerin von Generation World, meinem Herzensprojekt. Meine Idee von Generation World entstand intuitiv und ist mittlerweile zu einem Teil meiner Berufung geworden. Das Schreiben über unsere Reisen bedeutet für mich Kreativität und Freiheit. Deshalb bin ich richtig glücklich darüber, 2021 mein erstes Buch, Pachamama - Reise ins Unbekannte, veröffentlicht zu haben.

Wäre doch viel zu schade, wenn ich all die Erlebnisse nur für mich behalte, oder? Also komm mit uns auf Reisen!

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